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Kim Böse
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»tile tales« Bei einer Gastfamilie wohnen zu dürfen, ist ein wertvolles Geschenk, das einem einen besonderen Zugang zu einem Ort verschaffen kann. Be- sonders bei den gemeinsamen Mahlzeiten, kann man viel über den Ort erfahren, neue Ess- und Sprachgewohnheiten kennenlernen, u.v.m. Der Aufenthalt bei Mette, Per, Liva und Villads, in der Villa Plus in Ballum, war für mich genau so ein Geschenk. Jeden Morgen wurden wir von Mette an einem gedeckten Frühstückstisch begrüßt. Es gab warme, duftende Brötchen, selbstgemachte Marmelade, dänische Molkereiprodukte und kulinarische Köstlichkeiten aus dem Garten. Auch für meine beiden Kinder gab es viele Dinge, über die sie sich täglich freuten: Da war z.B. der charmante Villads, in den sich meine jüngere Tochter verguckt hatte (Nur schade, dass sein Herz bereits an ein Mädchen aus Ballum vergeben war, so dass die Versuche, ihm einen Kuss abzugewinnen, meist scheiterten). Und da war die »große« Liva, die von meiner älteren Tochter da- für bewundert wurde, was sie schon alles konnte, und die sie mit der virtuellen Welt der »Mädchen-spiele« bekannt machte. Zusätzlich gab es auch tolle Spielgeräte, wie z.B. ein riesiges Trampolin, ein Spiel- und Kletterhaus, ein Planschbecken, u.v.m.. Und es gab lustige Tiere, wie die Hündin Emma, die Katzen Bäver und Betty, und eine »Schaf-Gang« hinter der Hecke. In der näheren Umgebung lagen auch tolle Ausflugsziele, die mit dem Auto gut zu erreichen waren. So konnte man Wattwandern, am Meer relaxen, Wikinger- Abenteuer erleben oder Tierparks besuchen. An den vielen Spielmöglichkeiten, die es oft in Re- staurants gab, und an den gigantischen Eistüten, die es fast überall zu kaufen gab, viel mir auf, dass Dänemark insgesamt ein sehr kinderorientiertes Land ist. Und was hat der Aufenthalt mit mir, in künstlerischer Hinsicht, gemacht? Zunächst einmal stellte die »Villa Plus« eine große Inspirationsquelle für mich dar, denn sie sprühte quasi nur so vor Kreativität. Überall gab es visuelle Denkanstöße durch neue oder alte Kunst- werke, Kunsthandwerksgegenstände, individuellgestaltete Räume und unterschiedliche Sammungen. Durch dieses Umfeld wurde ich also täg- lich dazu animiert, künstlerisch tätig zu sein. Da mein Tatendrang auf diese Weise recht groß wur- de, ergriff ich bald die Gelegenheit, auf mein Umfeld zu reagieren. Nachdem mir die Region um Ballum, Römö und Tönder als eine Art »Ballungsraum für holländische Fliesen« aufgefallen war, und ich zufällig auch noch mehrere quadratische Druckplatten im Gepäck dabei hatte, war für mich klar, dass ich in den monochrom-blauen Fliesen vor Ort eine geeignete Projektionsfläche für mich gefunden hatte. Die alten, blau-weiß gefliesten Küchen, denen ich dort immer wieder begegnete, lösten ganz bestimmte Erinnerungen in mir aus. Durch sie wurde ich in meine eigene Kindheitzurück versetzt, und ich sah mich, am Esstisch meiner Großmutter sitzen, der manchmal mit einem blau-weißen Teeservice und blau-weißer Tischdecke gedeckt war. Diese, und weitere Erfahrungen vor Ort, wurden von mir zu einer Art »Fliesentagebuch« verarbeitet und bilden somit die Bausteine meiner »Tile Tales«. Ein schöner Abschluss war dann meine Ausstellung in Mettes Galerie im Oktober. Zu der Eröffnung kam auch ein Bewohner Ballums, dessen Haus ich zufällig auf einer meiner Fliesen abgebildet hatte. Und er war genau an dieser Fliese interessiert. So konnte ich etwas von mir in Ballum lassen, bei jemandem, für den es eine persönliche Bedeutung hat.
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