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Claudia Medeiros Cardoso in NY 2008

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New-York-Stipendium 2008
»Since I got my iPod, the world became a soundtrack... « Das hat mein englischer Nachbar, der 2 Türen weiter am Korridor am Point B wohnte, auf einer Rooftop-Kennenlernparty gesagt. Ich war kurz von diesem Satz fasziniert, aber nur kurz. Es ist mein erstes Mal in dieser Stadt.
Ich habe die ersten Tage damit verbracht, fremde Leute kurz zu verfolgen und mir die Straßenkarte anzuschauen. Dass es heiß war, brauche ich nicht zu erzählen. Ich habe das mit Subway fahren und Museen besuchen oder Kaffee trinken im El Beit bei Amanda überwunden. Leona, die Besitzerin des benachbarten Papiergeschäfts in der Bedford Street sagte ab und zu zu mir: »It is too hot today, go home!« Ich tat es manchmal auch, aber nur so lange ich die Ventilatorgeräusche noch aushalten konnte. Sonst bin ich gelaufen, und gelaufen und gelaufen
und habe beobachtet. Mir fiel auf, dass ich für eine so große Stadt zu wenig Obdachlose gesehen habe, und dass so viele Menschen die englische Sprache nicht sprechen können. In den ersten Tagen habe ich plötzlich ein Beuys-Syndrom bekommen, und wollte alles nicht sehen, nur die Menschen ohne Stadt – aber das geht ja nicht. Ich habe mich dann überwunden und bin im Kreis gelaufen; und hatte Angst, nichts Neues sehen zu können. Mit der Zeit sind meine Augen dann etwas schärfer geworden. Im Internet fi el ich dann in love mit Mirandas Arbeit, und Manhattan mochte ich lieber ausder »Brooklyn Perspektive« betrachten.
Langsam habe ich mich entspannt und war fasziniert, wieder einer Sprache zu begegnen, die Dramatik und Emotionen ausdrückt. Es war schon ein ständiger Gewissenskonfl ikt, die Erfahrung erst übersetzen zu wollen, bevor ich sie komplett erfahren konnte. Mark Parish sagte zu mir: »Beim ersten Mal in N.Y. brauchst du at least 6 Wochen num klar zu kommen.«
Ich dachte, ich gehe lieber nie wieder nach N.Y, nur um die Eindrücke zu behalten. Ich habe ja noch Jonas Mekas, Agnès Varda und Chantal Akerman und andere wieder getroffen. Besonders wichtig waren für mich Begegnungen mit Bea Schlingelhoff und Arleen Schloss, meiner ersten Professorin. Manchmal treffen mich Dinge auf meinem Weg eher, als dass ich sie aussuche. So ist es mit Filmen und Büchern und einige Male auch mit Menschen. Das Wichtigste für mich auf dieser Reise nach N.Y. war es, gewisse Sinne und Bedeutungen für meine Arbeit wieder zu schärfen und sortieren, herauszufinden, wo mein Fokus ist. Das setzt nicht nur eine gute Gedankenstrategie oder eine sehr gut in Szene gesetzte Umgebung voraus. Das Verschmelzen von privaten und öffentlichen Geschichten interessierte mich besonders, da selbst durch meine Kamera die Betrachtungen des Bildes nicht unbelastet von meiner privaten Sicht sind. Selbst im Leben der Anderen und in Relation zu der Stadt, in der sie leben, ist dies ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit: der eine urbane Raum, die Metropole mit dessen Blockaden und Biotopen, wie Wartezeiten, Armut, Bewegungen, Gentrifi kation, Sprachen und Missverständnissen, kleinen täglichen Happenings und Zufällen, wo Entscheidungen das Umfeld der Menschen in deren Umgebung beeinflussen. Diese Beobachtungen sind für mich wie Blut für Dracula!
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