Kerstin Drobek in NY 2005
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You're welcome! - So nennt Kerstin Drobek ihre neue Fotoperformance. Entstanden ist sie in diesem Sommer in New York, während eines sechswöchigen Stipendiums, gefördert vom BBK. Im Gespräch mit Vera Kissel skizziert Kerstin Drobek Arbeitsweise und Konzept des Projekts. Was stand am Anfang? New York hatte mich ja so private gar nicht interessiert. Aber irgendwann im Mai hab ich auf arte ein Interview mit Libeskind gesehen, dem Architekten. Und das hat wirklich eine Spannung und sogar erstmalig eine Sehnsucht, ein Fernweh ausgelöst. Da war der Schluss des Interviews: Wenn man nach New York kommt, dann ist man in der Welt! Was wäre die Alternative? Dass ich die Figuren, die ich entwickele, über andere Personen besetze. Aber ich brauch einfach noch mein Fleisch, um diese Figuren, die ich suche, zu vermitteln. Das ist natürlich auch ein praktischer Aspekt. Das ist billiger! Und auch konzentrierter! Ich kann mich grenzenlos kritisieren... Mir ist die Figur von Anfang an mit einem roten Mantel begegnet! Der war von Anfang an da. Ein roter Mantel ist ja Signal, ist ja wie Rotkäppchen. Ein Stoppschild! Hat auch Sexappeal natürlich. Dieser Mantel will sexy sein, aber unterläuft das, durch den Stoff, die Knöpfe. Ja. Oder auch mit der Tasche, mit dem bag. Wichtig sind ja die Lackschuhe... Die Schuhe haben was von Mimi Mouse. Oder Daisy Duck. Ja. Die Ballerinaform, mit dem Riemchen... Aber mit solchen Absätzen! Wir haben von Anfang an über eine schwarze Perücke nachgedacht. Wahrscheinlich hing das mit dem roten Mantel zusammen, blond wäre da nicht gegangen. Das ist natürlich dann auch so eine Formästhetik. Und dann vielleicht eine Brücke, nicht Schwarz-weiß, sondern Rot-schwarz. Und der Hund war am Anfang noch lebendig und hieß Motte. Eigentlich hieß ja die Figur Penni und der Hund war der naturalistische Hund Motte, wie im wahren Leben. Im Nachhinein, muss ich sagen, war das eine gute Entscheidung, Motte nicht mit nach New York nehmen. Es wär in sich ein Widerspruch geworden, du hättest die künstliche Ebene der Figur verlassen. Bei der "Püppchen"-Serie, da war ja Motte auch mal Protagonistin, da hat es funktioniert, in diesem realistischen Café. Aber hier hätte es gar nicht funktioniert. Da wäre es gekippt und man hätte gedacht, das ist eine crazy woman. Abgesehen davon, dass es auch nicht in Wirklichkeit funktioniert hätte. Es waren 40 Grad. Der Hund hätte nicht stillgehalten, du hättest ein ständiges Gegenüber gehabt, das hätte nicht funktioniert, auch formal nicht. Dann wurde der Hund ganz abstrakt! Wurde zu "dog", als Schriftzug, und dann wurde er wieder konkreter. Du wolltest den Schriftzug mit Stoff beziehen... Kunstfell! Ich hatte ja noch Buchstaben herstellen lassen aus Styropor. Formästhetisch hätte es funktionieren können, deswegen war ich auch gleich so begeistert. Aber es hat nicht zur inneren Figur gepasst! Weil deine Figur nicht abstrakt genug ist. Wahrscheinlich dadurch, dass es tatsächlich Fleisch ist. Es wäre ein Bruch, genauso wie mit dem lebendigen Hund. Es gab "dog" nur noch als Name, gar nicht mehr als Objekt. Auf einmal merkte ich, es ist ein Spielzeug! Was ich mache, wird dann ja auch ein play! Von daher saß ich dann im Flugzeug und hatte wirklich ganz ganz wenig mit. Und das auch auszuhalten, dass nicht alles klar ist! Das war ganz spannend. Ich habe keine Figur mitgenommen, ich habe nur drei Requisiten mitgenommen. Ausgangsmaterial. Nur Ausgangsmaterial! Ich war bereit, alles neu aufzumischen! Es war mir nur klar, ich werd was mit einer Figur machen, ich bin diese Figur. Und in der vierten Nacht bin ich dann durch Williamsburg gelaufen und da war ein Bücherstand, es war so zwei, drei Uhr morgens und der Besitzer war am Abbauen und da stand dog, dieser große Hund. Den musste ich haben! "Okay, ten dollar!" Es war wie ein Geschenk! War zu dem Zeitpunkt schon klar, dass Trudi Raus doch an der Wall Street landen würde? Das war das nächste. Ich war irritiert. Die Stadt war auf ein Mal so groß! Ich war schon in Manhattan gewesen, aber in der Wall Street nicht. Union Square, ist da was? Bin den ganzen Broadway entlanggelaufen, das waren Stunden! Gibt es in Soho eine Straßenecke, die mich fasziniert? Was wolltest du zu dem Zeitpunkt? Ich wollte schon Realität, ich wollte von Anfang an einen Platz der Realität in New York City nutzen. Und dann dachte ich: Ja, du wirst jetzt zur Wall Street fahren! Ich spürte, das ist ein guter Platz. Rechterhand ist die größte Börse der Welt, mit Laufband, mit separatem Metroeingang für die Börsenleute, Polizei und Security. Wo dann diese irreale Figur auftaucht... Und in der Aktion einen Bruch macht... Wie ein Abziehbild, einfach so. Stehend. Keine Mimik! Natürlich gibt es kleine Facetten. Was durch die Strapaze kommt. Oder wenn hinter mir jemand geschrien hat. Eine ernste Trudi. Eine ernste Trudi. Sie sollte einfach über diesen roten Mund, der ja irgendwie sweet war, schon wie gezeichnet sein. Wie ein Piktogramm, das laufen kann! Wenn ich mich als Trudi fertig hatte in meinem Studio, hat Trudi wirklich wie im Trickfilm das Studio verlassen, ist die Seven North hinunter zur Bedford Avenue, Metrostation gelaufen, hat weder rechts noch links geguckt. Sie hatte keine Sonnenbrille auf, hat keinen Kaugummi gekaut, kein Wasser getrunken. Es war auf jeden Fall eine Interaktion. Es gab schon mit jedem Fotografen einen kleinen Dialog, auch wenn es meist eher ein Monolog von seiner Seite war. Immer ein Statement. Es gab auch immer ein Spiel davor. Hast du schon mal so die Interaktion mit anderen eingebaut in ein Projekt? Noch nie. Mir gefällt das Serielle, mit der kleinen Abweichung, die schlicht durch das Setting eingebaut ist. Dadurch, dass immer jemand anderer fotografiert und dass, obwohl du immer am selben Platz stehst, sich der Hintergrund ständig verändert, weil es ein belebter Platz ist. Es gab auch Variationen, in diesem run. Ich war wirklich immer five o'clock da. Manchmal wars überhaupt gar nicht mehr so strong, da war der Fluss eher weg! Manchmal hat Trudi auch eine etwas andere Haltung. Sie ist mal ernster, mal gibt es fast so ein Mona-Lisa-Lächeln. Dafür ist es ja auch kein Dummy! Die kleine Veränderung ist auch in dir. Obwohl es eine Grundhaltung gibt, die du reproduzierst. Trudi ist manieristisch, wie im klassischen Manierismus, sie blickt in sich, aber verkörpert eine Sehnsucht ins Grenzenlose
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