Anneli Käsmayr in NY 2011
Foto: Anneli Käsmayr
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New York, I fell in love with you and your coffee. Es ist ein zitronenfaltergelber Truck, der an der Strasse steht und meine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Alles ist hübsch an diesem Wagen, die hellgelbe Farbe, die hohe eckige Form – mit einer kleinen eckigen Schnauze – der geschwungene Schriftzug an der Seite, die chromfarbene Stoßstange, die junge Frau, die aus einem Schiebefenster heraus verkauft. Artisanal Ice Cream, lese ich. Vor dem Truck stehen Menschen, als ich näherkomme sehe ich, dass die Schlange lang ist. Zu lang für mich, ich bin erst ein paar Tage in New York und habe mich mit diesem Phänomen der geduldigen Menschenschlange vor begehrenswerten Orten/Angeboten noch nicht arrangiert. Ein paar Tage später, es ist heiß in Brooklyn, früher Abend und windstill, erspähe ich das zarte Gelb begleitet vom tief brummenden Dieselmotor, der für die Kühlung notwendig ist. Ich schaue mich um – keine Schlange! – und studiere die Sorten. Hübsch gemalte Zutaten versprechen höchstes Geschmacksvergnügen, Zuckerrohr, Pistazie, Ingwer, da muss ich zweimal hinsehen: Earl Grey. Mit einem riesengroßen »spoon ful« Earl Grey Eiscreme im kompostierbaren Becher & Löffel drehe ich mich um, hinter mir haben sich schon wieder wartende Menschen aneinandergereiht. Cremiges köstliches Eis in der Farbe von milchgefärbtem Tee lässt mich die Schwüle vergessen. Jeder Schritt wird belohnt. Jeder Löffel eine wundersame Balance zwischen rauchiger Herbe und Süße, mit dem für Earl Grey typischen fruchtig- edlen Bergamottearoma und einem Hauch Salz. Ob die englische Queen wohl auch ihre Freude daran hätte? Ich bin hingerissen, bewundere auf dem Löffel die hübsche cremeweiße Farbe gefolgt von kühlem Süß auf der Zunge, versuche mir die Komposition genau einzuprägen. Von süß über herb zu salzig. Nach dem letzten Löffel blicke ich auf - und habe keine Ahnung wo ich bin. Einige Tage später in SoHo: müde vom vielen Herumlaufen verlangt mein Körper nach Energie in Form von Kaffee. An der Lafayette Street komme ich an einer Coffeebar vorbei, draußen steht eine lange Warteschlange. Der Raum ist sympathischer als er von außen scheint, hohe Decken, warmes Holz, Kaffeeduft erfüllt die Luft und es geht schneller voran als erwartet. Den einzig freien Minitisch ansteuernd lasse ich mich nieder und bewundere die hübsche Blume in der feinen Crema meines Caffe Lattes. Der erste Schluck lässt mich schlagartig erwachen - ist das noch Kaffee, den ich da trinke? Sahnig cremiges Weiß mit Braun auf der Zunge lässt meine Sinnesorgane explodieren, Koffein strömt in mein Nervensystem, kräftiges herb schokoladiges Aroma vereint sich mit glänzend weißer feinster Milchcreme, nehmen die hier etwa Sahne? Mein Blick streift eine Riesenpackung auf der »organic whole milk« zu lesen ist, die Espressomaschine scheint eine gewöhnliche zu sein, auch wenn sie hübsch geschwungen und chromfarben ist. Wie machen die das nur? Die nächsten Schlucke Kaffee sind hinreißend, aromatisch, und vor allem eins: cremig. Ich bin verzaubert. Auch die heiße Schokolade, die ich im Anschluss bestelle, weil ich es nicht fassen kann, sozusagen als Testvergleich, hat diesen ungewöhnlich feinen Milchschaum, dicht und feinporig, leicht glänzend. Draußen dämmert es langsam. Zutiefst beeindruckt verlas- se ich die Bar und radele in Gedanken an Kaffee zurück über den East River auf der orange beleuchteten Williamsburg Bridge. Einige Internetrecherchen, Kaffee Blogs und Foren später stolpere ich über einen Eintrag: NY Coffee classes. Ich registriere mich online für zwei Kurse: Milk Steaming Techniques und Latte Art class. Innerliches Frohlocken. New York, I fell in love with you and your coffee. http://soundinsavor.blogspot.com/
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