Ina Raschke in NY 2009

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here you are. zwei monate in new york.
Noch bevor ich nach New York reisen sollte, habe ich mich natürlich über Google Map genau erkundigt, in welche Gegend ich da eigentlich käme. Ganz ehrlich: ich dachte, das sieht ja alles furchtbar aus und suchte nach Bestätigung meiner Vermutungen, dass New York wohl kein Fleckchen Erde für mich werden würde. Was sollte man nun anderes erwarten, als das was folgte. Natürlich fand ich dann alles super. Mein Wohnatelier im Point B lag genau in Williamsburg, eines der hippen Viertel von New York und nur eine U-Bahn-Station von Manhattan entfernt. Hier laufen die sogenannten „Hipster“ herum, wobei mir schnell klar wurde, dass diese wohl keine Künstler seien, denn wer so viel Geld hat, in diesem Viertel zu leben, ist entweder ein Kind eines reichen Unternehmers oder aber hat drei Jobs. Ich denke auf die meisten dort trifft ersteres zu. Und so ist es dann auch.
Williamsburg war zumindest mal ein Viertel mit vielen Künstlern. Inzwischen wurde der Marktwert dieser Gegend erkannt und es lässt sich nur hoffen, dass ein weiteres Soho dort entsteht, wofür die Chancen allerdings schlecht stehen. An einigen Stellen werden Appartements gebaut, die sich Künstler wohl nicht leisten werden können. Aber auch Bauruinen warten in dieser Gegend auf Geld zur Fertigstellung, denn die Finanzkrise hat auch hier ihre Spuren hinterlassen. Manch einer hofft, dass diese halbfertigen Gebäude schließlich wieder Künstlern überlassen werden, damit sie nicht gänzlich leer stehen. Diese Art mit leer stehenden Gebäuden umzugehen findet tatsächlich statt. Wie zum Beispiel in Bushwick, dort wohnen nun die meisten nicht etablierten Künstler New Yorks, da es sich um eine viel günstigere Gegend handelt, in der man auf Wohnungen unter 2000 Dollar im Monat hoffen kann. Bushwick ist das spanisch sprechende Viertel New Yorks und lässt sich eher als ein armes Arbeiterviertel beschreiben. Ganz anders als in der Bronx lassen sich hier kaum Grünanlagen finden und die soziale Stellung der Menschen wird einem unmittelbar klar. Umso wichtiger die Chance, Kunst zu integrieren, um den dort lebenden Menschen etwas anderes anzubieten, als ihr tägliches Grau und eine super Gelegenheit für alle dort ansässigen Künstler zu zeigen, wie professionell man auch in solchen Gegenden von New York sein kann. Genau dort hat sich eine große Gruppe von Galerien und Künstlern zusammen getan und nennen sich die »Brooklyn Artillery«. Nach einer kurzen Reise ins Nichts, fand ich dort das einzig neue Gebäude voll mit Galerien, welche leere moderne Appartements bespielen dürfen. Die Galerien und ihre Künstler haben die Räumlichkeiten wie normale Galerien verstanden und die Wichtigkeit von ortsbezogenen Arbeiten oder Interventionen im öffentlichen Raum scheinbar nicht erkannt. Teilweise wurden die Appartements nicht einmal gereinigt. Einen Bezug zum Raum wurde bei rund 30 Galerien nur zweimal versucht und ist auch da leider gescheitert. Einen Blick für’s Detail, wie hängende Kabel der Lampen in einer raumbezogenen Arbeit wurden komplett übersehen. Eine Galerie versuchte sogar diese Kabel hinter einem Bild an der Wand laufen zu lassen. Das schlimmste daran war, dass das Bild teilweise durchsichtig war. Leider muss man sagen, dass die Chance hier insgesamt nicht genutzt wurde.
Den großen Gegensatz dazu bildet dann Chelsea in Manhattan mit seinen vielen professionellen und bekannten Galerien, die Anfang September jeden Jahres zu einem Eröffnungsmarathon aufrufen. Die hier ansässigen Galerien unterscheiden sich eindeutig zwischen Verkaufsgalerien und denen, die es sich leisten können, große Installationen zu zeigen. Besonders auffällig die überdimensionalen quadratischen Einladungskarten, die gerade angesagt zu sein scheinen, aber auch die Tatsache, dass man hier eher internationale Künstler findet und weniger amerikanische Kunst, was vielleicht daran liegen mag, dass man immer wieder den Eindruck bekommt, die Arbeiten junger Künstler wie in Bushwick, schon einmal gesehen zu haben. Gerne hätte ich mich mal in der Universität für Künste umgesehen, um diese Erscheinung besser zu verstehen, aber leider waren Semesterferien. Nachdem ich mir nun alle interessanten Museen und Galerien angesehen hatte, hatte ich nicht nur eine reichhaltige Anzahl von Blasen an den Füßen, sondern auch genug von Kunst für ein halbes Jahr. Es motiviert und strapaziert gleichzeitig, an nur einem Tag die Warm-up Party im PS.1, dem Ableger des MoMA mitzunehmen, dann nach Bushwick zu fahren, um die »Brooklyn Artillery« zu sehen und schließlich noch nach Chelsea weiter zu fahren, um einige wichtige Galerien abzulaufen. Aber genau so lässt sich das Überangebot dieser Stadt am besten beschreiben. Es gibt immer irgendwas zu erleben. Gerade im Sommer gibt es viele öffentliche Veranstaltungen, die nichts kosten und das trotz der eindeutig angespannten Situation der Finanzkrise. Was für uns Bremer immer noch ein riesiges Angebot ist, ist für den New Yorker viel weniger als in den Jahren zuvor. Nach einigen Gesprächen wurde mir klar, dass Kunst in diesen Zeiten wenig gekauft wird, so dass viele Galerien schließen müssen und die potentiellen Galeristen von heute auf bessere Zeiten warten. Die Kehrseite der Krise ist die unglaubliche Freiheit und der Ideenreichtum, günstig kreativ zu werden, so dass sich viele Ideen sammeln lassen und man den Mut bekommt, wieder freier zu arbeiten. Dieses Sammeln von Eindrücken und Kontakten zu anderen internationalen Künstlern ist wohl das Wichtigste für einen artist in residence in New York – natürlich abhängig davon, wie lange man sich dort aufhalten darf. Nach Gesprächen mit anderen Künstlern des Point B wurde mir schnell klar, dass wir alle Schwierigkeiten hatten einen Arbeitsrhythmus herzustellen, der es uns ermöglicht, Gesehenes zu verarbeiten und Kontakte zur Szene herzustellen. Jeder von uns versuchte, die zur Verfügung stehende Zeit so intensiv wie möglich zu nutzen. Dank der netten Betreuung im Point B und der anderen Stipendiaten dort, kann ich mich über internationale Kontakte nicht beschweren. Jeden ersten Freitag finden dort nämlich Präsentationen der Künstler statt, die sich nicht nur gegenseitig Arbeiten vorstellen, sondern auch gelegentlich Externe einladen, um gemeinsam bei Bier oder Wein und mitgebrachtem Essen zu reden. Dank einer dieser Präsentationen konnte ich am Ende sogar eine kleine Ausstellung in Greenpoint machen. Das eigentliche Appartement nennt sich monospace und wird von der großartigen Kuratorin Karin Laanso aus Estland geführt. Alle zwei bis drei Monate fi nden hier kleine feine Ausstellungen statt, welches ein Werk von Künstler/innen für mehrere Monate beherbergt. Zum Konzept des monospace gehört auch ein Interview, welches bald auf der Internetseite www.monospace.biz zu lesen sein wird. Diese kleine feine Ausstellung hat mir ein sehr schönes Ende meines Aufenthaltes in New York bereitet, für den ich mich an dieser Stelle nochmal bedanken möchte.
Auf ein Neues – jetzt erst recht.
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