|
Sibylle Springer in NY 2007
|
BBK Stipendium im New Yorker Untergrund Als ich im Juni nach New York kam, entdeckte und konzentrierte ich mich auf die verborgenen, unsichtbaren Untergründe der Stadt – die Subway mit ihrem verschlungenem System, durch das jeder New Yorker täglich unter der Stadt hindurchgeschossen wird. Die oberirdische, schachbrettartige Klarheit Manhattans steht in großem Gegensatz zu dieser geradezu unwirklichen Parallelwelt – diesem Labyrinth. Man vertraut sich den Zügen an und taucht wieder auf, als hätte man während der Fahrt ein Blackout gehabt. Dies ist der Moment, den ich in meiner Malerei untersuche: Die feine Membran, an der Realität und Vorstellung aufeinander stoßen und sich nicht mehr klar voneinander trennen lassen; jenen Moment, in dem das eigene Denken und Handeln ins Schwanken gerät. Während nächtlicher Fahrten in der U-Bahn passierte ich häufi g Tunnel, in denen Reparaturen vorgenommen wurden. Der Zug fuhr sehr langsam und als neugieriger Fahrgast konnte ich in den punktuell beleuchteten Schächten entdecken, dass sie vollständig bemalt zu sein schienen. Prächtige Graffi tis und womöglich uralte sowie auch brandneue Zeichen waren für Bruchteile von Momenten zu sehen, bevor wieder alles von der Dunkelheit verschluckt wurde. Es kam mir vor, als ob ich in einem U-Boot säße, durch die Bullaugen lugte, nichts zu sehen erwartete - sich dann aber unversehens schemenhaft Andeutungen von einer Unterwasserwelt mit Pfl anzen und Tieren auftaten. Blickte ich zurück in mein Gehäuse, so war es, als hätte ich geträumt. Ich bin fasziniert von diesen Spuren – sie erwecken die Ahnung einer verborgenen Ebene, die man sehen, nicht aber betreten kann. Die Wände sind überlagert mit Schichten und Geschichten verschiedener Zeiten und Menschen, die einen Ort markieren, welchen die New Yorker täglich durchkreuzen, nie aber wirklich wahrnehmen (können). Die Schächte und Wände hielt ich fotografi sch fest, um mich dadurch zu neuen Bildideen leiten zu lassen, welche ich in meine Malerei transformiere. Es geht mir um das Erzeugen eines Bildraumes, in dem dieser Schwebemoment der Wahrnehmung anklingt. Das Fotografieren in der U-Bahn ist offi ziell untersagt – spätestens seit den Anschlägen des 11. September 2001. Man muss auf der Hut sein vor den Polizisten und MTA Angestellten, wird ja doch überall vermutet, man plane terroristische Verbrechen. Gerade in den U-Bahnschächten
|
|
|
||
|