Ina Raschke in Riga 2007

von links: Laura Prikule, Diana Dimza-Dimme, Diana Adamaite,
Ina Raschke, Riga, 2007. Foto: Martin Heimraths

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Bericht einer Reisenden im Rahmen des städtepartnerschaftlichen Kulturaustausches der Hansestädte Bremen und Riga

Hier erscheinen einem Dinge anders, die vielleicht gar nicht so anders sind. Bereits kurz nachdem Ryan Air mich nicht dazu überreden konnte, ein Gewinnlos zu kaufen, die Landung. Man gab mir ein hübsches Atelier inklusive einer Dusche im Raum sowie ein weiteres Zimmer. Noch an diesem Tag waren drei Ausstellungseröffnungen, von denen ich letztlich doch nur zwei besucht habe. Die erste Eröffnung, die ich anschauen durfte, befand sich innerhalb eines Casinos, so dass ich dann stolze Besitzerin einer Karte des Europa Club Casinos war und mich mit einem Blick in die kugelkopfartige Kamera in der Datei verewigen konnte. Diese Karte war nicht nötig, um die Ausstellung im Anmeldefoyer zu besichtigen, sondern um dorthin zu gelangen, wo sich alle befanden, unten beim Sekt und dem Essen. Wie wahrscheinlich in allen Galerien wird auch hier die Malerei bevorzugt. Dennoch, nicht gerade versteckt, sah ich Skulpturen, die anscheinend in keinen Lagerraum zu passen schienen und sich jetzt einfach unter der Treppe wiederfanden. Ebenso landeten in der nächsten Malerei- Ausstellung diverse Getränkebecher auf dem Sockel einer kleinen Skulptur, die an diesem Tag anscheinend nicht gefeiert wurde. In jedem Fall konnte ich eine andere Art, mit Kunst umzugehen, wahrnehmen: Designer gehörten ganz selbstverständlich zur Kategorie Kunst. Es gab sogar Künstler, die gleichzeitig Bildhauerund Maler waren und ihre Vielseitigkeit nutzten, indem sie versuchten, von ihren Kreationen zu leben und selbst hergestellten Modeschmuck verkauften. Dieses wurde hier auf eine unverkrampfte und offene Art und Weise toleriert. Bemerkenswert fand ich das Festhalten an bestimmten, traditionellen Umgangsformen bei Ausstellungen. In Bremen bin ich es gewohnt, dass nur Freunde oder Verwandte Blumen überreichen. Dort stellen sich aber alle in eine Reihe, um in direkten Kontakt mit dem Künstler oder der Künstlerin zu kommen und jeder überreicht Blumen. So lassen sich auf jeder Ausstellungseröffnung eine riesige Menge von Blumen wiederfinden, die teilweise auch nach dieser, noch vereinzelt an den Kunstwerken stehend, mich wiederum an Gräber erinnerten. Von der Gegend In den ersten Tagen »fresse« ich die Stadt geradezu auf, eine Stadt mit zwei, eher drei Sprachen: Lettisch, Russisch und Englisch. So unterschiedlich, wie man mir zuvor berichtet hat, ist sie auch auf den ersten Eindruck. Die Stadt ist voll von alten Gebäuden, die fl eißig renoviert werden, so dass sich Alt und Neu im Nebeneinander befinden, so auch die Autos. Im Gegensatz zu Bremen sind die Preise für eine Bus- oder Bahnfahrt sehr günstig und betragen umgerechnet etwas weniger als 50 Cent. Dennoch sollte man ruhig einfach blind herumlaufen, denn egal, wo man sich letztlich befi ndet, es wird in jedem Fall ein Museum in der Nähe sein. Davon gibt es in Riga viele. Ein Museum zeitgenössischer Kunst kann man allerdings erst ab dem Jahr 2010
besuchen. Ansonsten ist die Stadt gefüllt mit Jugendstil-Gebäuden, dessen touristische Wirkung nicht zu übersehen ist. Auf Rigas Fluss, der Daugava, fahren täglich mehrere große Ausfl ugsschiffe, die viele Ausblicke auf die Altstadt bieten. Sie passieren auch den Ort, der sich Andrejsala nennt, wo sich Künstler versammelt haben, vergleichbar der Institution des Güterbahnhofs in Bremen und der bremischen Nutzung von alten Hafengebieten durch Kunst in der Speicherstadt, nur sind die Gebäude in den Hafengebieten von Riga in einem desolateren Zustand. In Andrejsala findet man das Museum der naiven Kunst, welches kein White Cube ist, sondern man hat in diesem alten Bau die steinernen und hölzernen Wände und Böden im naturbelassenen Zustand bewahrt. Hier wird eine temporäre Sammlung von lettischer naiver Kunst präsentiert. Diese geht auf die Initiative eines privaten Sammlers zurück, der Zeichnungen, Malereien und Skulpturen von Künstlerinnen und Künstlern aus ganz Lettland, die nicht Kunst studiert haben, zusammengestellt hat – so die Aussage von Martin Heimraths, dem Präsidenten des Künstlerverbandes Lettlands. Riga erinnert mich in mancher Hinsicht an Bremen: Ein Fluss, die Brücken zur Stadt, der Roland; sogar die Stadtmusikanten sind hier, nur seltsam verwandelt, eine Bremische Schenkung an die Partnerstadt.

Es war eine wunderbare Gelegenheit, dort vier Wochen arbeiten zu können.Vielen Dank für diese Möglichkeit und die Organisation der Künstlerverbände von Bremen und Riga!